Syphilis, Gonorrhoe & Co.: ECDC meldet Rekordzahlen bei bakteriellen STI

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) haben in Europa im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht.

Der 2010 ins Leben gerufene Welttag der sexuellen Gesundheit am 4. September 2026 lenkt die Aufmerksamkeit auf dieses aktuelle Thema und macht erneut deutlich, dass sich grundsätzlich jede sexuell aktive Person mit einer STI infizieren kann. Nach aktuellen Zahlen des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) stiegen die gemeldeten Gonorrhoe-Fälle um 303% seit 2015 (1). Die Syphilis-Fallzahlen haben sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelt und lagen 2024 bei 45.577 Fällen. Mit 213.443 gemeldeten Fällen bleiben die Chlamydien häufigste bakterielle STI.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei der konnatalen Syphilis. In den 13 Ländern, die entsprechende Daten liefern, stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von 78 im Jahr 2023 auf 140 im Jahr 2024, was einer nahezu Verdopplung innerhalb eines Jahres entspricht. Das ECDC führt dies unter anderem auf eine zunehmende Syphilis-Inzidenz bei Frauen im gebärfähigen Alter sowie auf Lücken in Schwangerenscreening, bei Verlaufskontrollen und in der Behandlung zurück.

Labordiagnostik

Die Labordiagnostik der Syphilis richtet sich nach der jeweiligen klinischen Fragestellung. Bei Verdacht auf eine akute Infektion wird zunächst ein Lues-Suchtest aus Serum durchgeführt. Bei Reaktivität erfolgt die weitere Abklärung mittels Blot, TPPA und Cardiolipin-Reaktion. Bei Verdacht auf eine Neurosyphilis, etwa im Rahmen einer syphilitischen Meningitis, einer meningovaskulären Syphilis oder einer progressiven Paralyse, wird ebenfalls zunächst der Lues-Suchtest aus Serum bestimmt. Eine weiterführende Liquordiagnostik mit Berechnung des Antikörper-Index erfolgt nur bei einem positiven Testergebnis. 

Für Verlaufskontrolle nach abgeschlossener Antibiotikatherapie empfiehlt sich eine erste Kontrolle 2 bis 4 Wochen nach Therapieende. Danach sollte im ersten Jahr alle 3 Monate eine Kontrolle mittels Cardiolipin-Reaktion, TPPA und Lues-IgM-Antikörpern erfolgen. Bei HIV-Infizierten wird der Test bei Erstdiagnose sowie bei sexuell aktiven Patientinnen und Patienten mindestens jährlich empfohlen. Angesichts der vom ECDC gemeldeten Zunahme der konnatalen Syphilis ist ein frühzeitiges Screening in der Schwangerschaft umso wichtiger.

Koinfektionen im Blick: Multiplex-PCR als sinnvolle Ergänzung

In einer aktuellen Studie wurde gezeigt, dass sich bei 101 Personen mit neu diagnostizierter Syphilis, die auf Chlamydia trachomatis, Mycoplasma genitalium und Neisseria gonorrhoeae an genitaler, analer und oraler Lokalisation untersucht wurden, bei 30,7% mindestens eine zusätzliche STI nachweisen ließ (2). Am häufigsten wurden Chlamydien (16,8%) identifiziert, gefolgt von M. genitalium (9,9%) und Gonokokken (8,9%). Die weit überwiegende Mehrzahl dieser Koinfektionen verlief dabei asymptomatisch und wäre ohne systematisches Screening unentdeckt geblieben. 

Da STI häufig gemeinsam auftreten, gewinnt die Multiplex-PCR-Diagnostik zunehmend an Relevanz. Diese molekulardiagnostische Methode ermöglicht den simultanen Nachweis mehrerer Erreger aus einer einzigen Probe und trägt somit dazu bei, Mehrfachinfektionen zu erkennen und gezielt zu behandeln. Ein weiterer Vorteil ist, dass Resistenzbildungen durch unzureichend dosierte Begleittherapien bei zunächst unentdeckten Ko-Erregern vermieden werden können.

  1. ECDC: Bacterial STIs reach record highs in Europe, as congenital syphilis cases nearly double. Pressemitteilung, 21. Mai 2026.
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  2. Sforza A, Artelli F, Lovatti S, et al.: Sexually transmitted coinfections in patients with a new episode of syphilis. International Journal of Infectious Diseases 2025;161:108091. doi: 10.1016/j.ijid.2025.108091
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