Schnelle Diagnostik bei Verdacht auf eine EHEC-Infektion mittels Multiplex-PCR

In der aktuellen Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) über einen besorgniserregenden EHEC-Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Serotyp O45:H2.

Dieser kommt in Deutschland zwar selten vor, kann aber zu schweren Krankheitsverläufen führen (1) . Die RKI-Meldedaten der vergangenen Jahre zeigen zudem einen kontinuierlichen Anstieg der EHEC-Infektionszahlen. Während im Jahr 2022 noch etwa 1.829 Fälle registriert wurden, stieg die Zahl im Jahr 2023 auf rund 3.442 Infektionen (2).

Auch die Ergebnisse der Laboruntersuchungen in den LADR Laborzentren zeigen einen ähnlichen Anstieg der Positivraten bei EHEC-Infektionen. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer raschen und zuverlässigen Labordiagnostik, damit die erforderlichen Hygiene- und ggf. Therapiemaßnahmen schneller eingeleitet werden können.

Die Anzucht bakterieller Erreger wie EHEC, Campylobacter und Salmonellen auf Nährböden benötigt typischerweise eine Inkubationszeit von 16 bis 48 Stunden. Der Nachweis gattungsspezifischer oder Virulenzfaktoren-kodierender Gene mittels Multiplex-PCR gelingt hingegen innerhalb weniger Stunden und weist somit auf die ursächlichen Erreger hin.

Mit der Multiplex-PCR können in einem einzigen Testansatz die wichtigsten bakteriellen, viralen und parasitären Durchfallerreger einschließlich der verschiedenen pathogenen E. coli-Stämme wie EHEC nachgewiesen werden. Unmittelbar nach der initialen Testung auf STEC (Shigatoxin-bildende E. coli) führen wir eine PCR für die Shigatoxine 1 (Stx1) und 2 (Stx2) sowie ggf. für Intimin durch, um eine Einschätzung zum HUS-Risiko geben zu können. Für das Management von Ausbrüchen wird die Befundmitteilung binnen 24 Stunden nach Probeneingang im LADR Labor an den behandelnden Arzt sowie an die zuständigen Gesundheitsämter weitergegeben.

Die aktuellen Empfehlungen des RKI sehen die Laboruntersuchung einer Stuhlprobe auf EHEC bei Diarrhoe und eine der folgenden Bedingungen vor: hospitalisierte Kinder bis zum 6. Lebensjahr wegen Diarrhoe, bei sichtbarem Blut im Stuhl unabhängig vom Alter, bei endoskopisch nachgewiesener hämorrhagischer Kolitis sowie bei Patienten, die beruflich mit Lebensmitteln arbeiten. Angesichts des aktuellen EHEC-Ausbruchs in Mecklenburg-Vorpommern und der steigenden Infektionszahlen bundesweit sollte bei akuter Gastroenteritis EHEC als Ursache in Erwägung gezogen werden.

Wichtig: Keine Belastung des Laborbudgets der Praxis

Bei Verdacht auf eine Erkrankung, bei der eine gesetzliche Meldepflicht besteht, ist jeder Behandlungsfall mit der EBM-Ausnahmekennziffer 32006 zu kennzeichnen. Die Untersuchung ist dann von der Berechnung des Wirtschaftlichkeitsbonus ausgenommen und belastet nicht das Laborbudget der Praxis.

Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 37|2025. Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) O45:H2 assoziiert mit Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern: Hinweise des NRZ für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/37_25.html

Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologische Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2023.
https://edoc.rki.de/handle/176904/12890