Lipoprotein(a): Häufig übersehener Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, werden im Rahmen der Gesundheitsuntersuchungen („Check-Up“) unter anderem die Blutfettwerte Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride gemessen. Dabei wird häufig unterschätzt, dass auch der nicht standardmäßig angeforderte Lipidparameter Lipoprotein(a), kurz Lp(a), das Risiko für koronare Herzkrankheiten (KHK) signifikant erhöhen kann.
Studien zeigen, dass bereits ab Lp(a)-Werten von > 30 mg/dl ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen besteht – unabhängig von anderen Risikofaktoren. Bei etwa 10-20% der Bevölkerung in Deutschland liegen erhöhte Lp(a)-Konzentrationen vor. Für den einzelnen Menschen ist es daher von erheblicher Bedeutung, zumindest seine Lp(a)-Konzentration zu kennen.
Die European Society of Cardiology (ESC) und die European Atherosclerosis Society (EAS) empfehlen daher die Messung von Lp(a) möglichst bei der ersten Bestimmung der Lipidparameter, um die behandelbaren Risikofaktoren so früh wie möglich therapieren und ggf. das Gesamtrisiko weitestgehend minimieren zu können (1). Insbesondere bei Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie oder vorzeitiger kardiovaskulärer Erkrankung ist die Bestimmung der Lp(a)-Werte wichtig.
Gemäß dem Konsensuspapier der Europäischen Atherosklerose Gesellschaft (EAS) sind Werte > 50 mg/dl (125 nmol/l) eindeutig mit einem erhöhten Risiko assoziiert, während Werte < 30 mg/dl (75 nmol/l) wahrscheinlich nicht mit einem erhöhten Risiko einhergehen. Die dazwischenliegenden Werte sind besonders relevant, wenn andere Risikofaktoren wie ein hoher Blutdruck oder zu hohe Cholesterinwerte vorliegen.
Bei unauffälligen Lipidprofilen kann Lp(a) helfen, das verbleibende kardiovaskuläre Risiko zu erkennen. Durch die Integration von Lp(a) in die Routine-Risikobeurteilung können Hochrisikopatienten präziser identifiziert werden.
Mach F et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. Eur Heart J. 2020 Jan 1;41(1):111-188. doi: 10.1093/eurheartj/ehz455
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