Hohe Borreliose-Inzidenz in Ost und Süd: Labordiagnostik bleibt anspruchsvoll
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ermittelte auf Basis von KV-Abrechnungsdaten für das Jahr 2024 insgesamt 138.107 neu registrierte Erkrankungen der Lyme Borreliose bei gesetzlich Versicherten (1). Während im KV-Bereich Nordrhein 116 Fälle je 100.000 Versicherte registriert wurden, lag Sachsen mit 361 Fällen an der Spitze. Besonders hohe Inzidenzen wurden zudem in Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern dokumentiert.
Das Erythema migrans bleibt Leitsymptom
Die Diagnostik der frühen Lyme Borreliose stützt sich primär auf die Anamnese und den klinischen Befund. Leitsymptom ist das Erythema migrans (EM): Eine sich zentrifugal ausbreitende, meist randbetonte Hautrötung mit einem Durchmesser von mindestens 5 cm und sichtbarer Einstichstelle. Liegt ein typisches, solitäres EM vor, so gilt dieses als ausreichend für die Diagnosestellung und die Indikation zur Antibiotikatherapie. Eine zusätzliche serologische Diagnostik wird in diesem Fall nicht empfohlen. Das liegt auch daran, dass bei der Erstmanifestation eines EM nur in etwa der Hälfte der Fälle überhaupt Antikörper nachweisbar sind.
Die klinische Einordnung wird durch die Vielgestaltigkeit des EM erschwert: Es kann unregelmäßig fleckig, ohne zentrale Abblassung, infiltriert statt makulös oder auch ganz ohne sichtbare Einstichstelle auftreten. Im Zweifelsfall ist eine fachärztliche dermatologische Abklärung sinnvoll.
Herausforderungen für die Labordiagnostik in der Frühphase der Borreliose
Bei einem begründeten klinischen Verdacht ohne eindeutiges EM, beispielsweise bei atypischem Erythem, Lymphozytom, multiplen Erythema migrans oder grippeähnlichen Allgemeinsymptomen, wird eine stufenweise serologische Untersuchung auf borrelienspezifische Antikörper (IgM/IgG) im Serum empfohlen. Zunächst wird ein sensitiver Suchtest (Immunoassay) durchgeführt, gefolgt von der Bestätigung eines positiven oder grenzwertigen Ergebnisses mittels Immunblot.
Hierbei ist eine zeitliche Besonderheit zu beachten, die in der Praxis häufig zu Fehlinterpretationen führt:
- IgM-Antikörper sind häufig erst etwa 3–6 Wochen nach dem Zeckenstich nachweisbar,
- IgG-Antikörper meist erst nach 6–8 Wochen nachweisbar.
In der Frühphase der Infektion entsteht dadurch eine diagnostische Lücke, die zu einem falsch negativen serologischen Ergebnis führen kann, obwohl bereits eine Infektion vorliegt. Durch den Einsatz des sehr sensitiven Frühphase-Antigens VlsE in den IgG-Antikörper-Tests kann diese diagnostische Lücke jedoch verringert werden.
Grundsätzlich gilt: Ein positiver serologischer Befund allein reicht nicht zur Diagnosestellung aus – erst die Gesamtschau aus Anamnese, klinischem Bild und Labordiagnostik bestätigt eine Lyme Borreliose.
Weiterführende Informationen zur Diagnostik der kutanen Lyme Borreliose einschließlich der Stufendiagnostik zur Diagnose und Therapie des Erythema migrans finden Sie in unserem aktualisierten LADR informiert „Kutane Lyme Borreliose“.
- Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Grafik des Monats: Juni 2026 [Internet]. Berlin: Zi; 2026 [zitiert am 5. August 2026].
https://www.zi.de/das-zi/medien/grafik-des-monats/detailansicht/juni-2026 - Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): LaborKompakt – Diagnostik der frühen Lyme-Borreliose; Ausgabe 1/2026, Stand: April 2026.
www.kbv.de/724872
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