Hantaviren – das Vorgehen im Verdachtsfall

Ein aktuelles Ausbruchsgeschehen auf einem Kreuzfahrtschiff rückt die bereits seit Langem bekannte Familie der Hantaviren zurück in den Fokus.

Bei Hantaviren handelt es sich um Zoonose-Erreger, die weltweit in Form unterschiedlicher Virusspezies auftreten und verschiedene Nagetiere infizieren. Aufgrund der unterschiedlichen Verbreitung der jeweiligen Nagetier-Wirte kommen auch die verschiedenen Virusspezies in unterschiedlichen geografischen Regionen vor. Das Virus wird über Speichel, Urin und Kot infizierter Nagetiere nur selten auf den Menschen übertragen.

Andesvirus vs. in Deutschland vorkommende Hantaviren

Die in Deutschland auftretenden endemischen Hantaviren Puumalavirus (PUUV) und Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV) unterscheiden sich deutlich von der im aktuellen Ausbruch identifizierten Spezies, Andesvirus (ANDV).

Infektionen mit Andesviren können ein Hantavirus-induziertes (kardio-) pulmonales-Syndrom (HPS bzw. HCPS) mit rascher Progression zu Lungenödem, Atemnot und Schock verursachen. Ein großer Teil der Infektionen mit den in Deutschland verbreiteten PUUV und DOBV verläuft hingegen eher asymptomatisch bzw. mit unspezifischen Symptomen. Beide bei uns vertretenen Arten verursachen nur sehr selten das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). Die Letalität liegt bei PUUV und DOBV meist unter 1%, bei den südamerikanischen Andesviren hingegen bei 25-40% (1).

Ein weiterer entscheidender Unterschied betrifft den Übertragungsweg: Bei den Andesviren ist in seltenen Fällen und bei engem Kontakt auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Bei den in Deutschland zirkulierenden Hantaviren zeigt sich keine Übertragung von Mensch zu Mensch.

Laut der Einschätzung des ECDC vom 10. Mai 2026 ist das durch das Infektionsgeschehen mit dem Andesvirus auf dem Kreuzfahrtschiff ausgehende Risiko für die Allgemeinbevölkerung im EU-/EWR-Raum sehr gering (2). Bei einem gut dokumentierten Ausbruch des Andesvirus in Argentinien 2018/19 konnte die Übertragung durch geeignete Maßnahmen erfolgreich unterbunden werden (3). Dieses zeigt die Bedeutung der aktuellen Quarantänemaßnahmen.

Labordiagnostik bei Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion

Der Umgang mit bekannt infektiösem Material und die Diagnostik obliegen Speziallaboratorien wie dem Konsiliarlabor für Hantaviren am RKI.

Die Diagnose erfolgt meist mittels Serologie, da der direkte Virusnachweis mit einer PCR nur über eine begrenzte Zeit gelingt; dieses sollte aber mit dem Referenzlabor besprochen werden. 

Für alle Hantaviren gilt, dass dem Gesundheitsamt gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) eine Meldung bei der Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an virusbedingtem hämorrhagischem Fieber innerhalb von 24 Stunden vorliegen muss. Unabhängig davon melden die Labore einen direkten oder indirekten Nachweis gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 19 IfSG.

Sollte der Verdacht auf eine Infektion in Verbindung zum aktuellen Ausbruchsgeschehen mit dem Andesvirus auf dem Kreuzfahrtschiff bestehen, so sollte auch das weitere Vorgehen umgehend mit den zuständigen Gesundheitsbehörden abgesprochen werden, um eine mögliche Verbreitung zu unterbinden. Die Diagnostik und der Umgang mit dem Probenmaterial sollten in direkter Rücksprache mit dem Konsiliarlabor erfolgen.

Auch bei Verdacht auf Infektionen mit anderen Hantaviren ist eine gründliche Reiseanamnese wichtig, um die infrage kommenden Virus-Serotypen einzugrenzen und so die richtigen diagnostischen Schritte einzuleiten. Auch hier empfiehlt es sich, vorab mit dem Labor Rücksprache zu halten

Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung. Stand: Februar 2026.

Andes hantavirus outbreak: ECDC continues working on the frontline to support EU Member States. 11 May 2026. 

Martínez VP et al. "Super-Spreaders" and Person-to-Person Transmission of Andes Virus in Argentina. N Engl J Med. 2020 Dec 3;383(23):2230-2241. doi: 10.1056/NEJMoa2009040.