Diagnostisches Vorgehen bei Diabetes mellitus

Die Zahl der Menschen mit Diabetes steigt stetig in Deutschland: Mehr als jeder zehnte Deutsche leidet an Diabetes mellitus. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch höher, da viele Typ-2-Diabetes-Fälle zunächst asymptomatisch verlaufen und somit unerkannt bleiben. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für die Prognose und Therapieplanung.

Die Zahl der Menschen mit Diabetes steigt stetig in Deutschland: Mehr als jeder zehnte Deutsche leidet an Diabetes mellitus. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch höher, da viele Typ-2-Diabetes-Fälle zunächst asymptomatisch verlaufen und somit unerkannt bleiben. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für die Prognose und Therapieplanung.

Nüchternplasmaglucose als Basisparameter

Wenn der Verdacht auf Diabetes besteht – etwa durch Symptome wie Gewichtsverlust, häufiges Wasserlassen oder starken Durst – oder wenn ein erhöhtes Risiko vorliegt, wird zunächst der Nüchternblutzucker gemessen. Dafür sollten die Patienten mindestens 8 Stunden nichts gegessen haben. Liegt der Wert bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher, ist die Diabetesdiagnose gestellt. Eine Bestätigung durch eine zweite Messung an einem anderen Tag wird jedoch empfohlen.

Alternativ kann bei symptomatischen Patienten die Gelegenheitsplasmaglucose bestimmt werden, also der Blutzucker zu einem beliebigen Zeitpunkt, unabhängig von der letzten Mahlzeit. Werte ≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l) sind bei klassischer Symptomkonstellation diagnostisch beweisend für Diabetes mellitus.

Oraler Glucosetoleranztest

Ein oraler Glucosetoleranztest (oGTT) ist indiziert bei grenzwertigen Werten von Nüchternplasmaglucose, bei klinischem Verdacht trotz unauffälliger Nüchternwerte sowie bei Risikopatienten zum Screening. Nach standardisierter Gabe von 75 g Glucose erfolgt die Blutentnahme nach 120 Minuten. Die diagnostischen Kriterien sind klar definiert: Werte < 140 mg/dl (< 7,8 mmol/l) nach 2 Stunden entsprechen einer normalen Glucosetoleranz. Ab ≥ 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l) ist die Diabetesdiagnose gesichert.

HbA1c als diagnostischer Parameter

Der HbA1c-Wert hat sich als gleichwertiger diagnostischer Parameter etabliert. Er bietet den Vorteil, dass er unabhängig von präanalytischen Variablen wie Nahrungskarenz oder Tageszeit ist. Ein HbA1c-Wert unter 5,7% gilt als normwertig. Der Bereich 5,7-6,4% indiziert ein erhöhtes Diabetesrisiko und sollte durch einen oGTT weiter evaluiert werden.

Das gestaffelte diagnostische Vorgehen unterstützt einerseits eine hohe Sensitivität für die Früherkennung auch oligosymptomatischer Fälle und andererseits eine ausreichende Spezifität zur Vermeidung falsch-positiver Befunde.