Darmkrebsvorsorge: Potenzial des iFOBT noch nicht ausgeschöpft

Der März ist Darmkrebsmonat – ein jährlicher Anlass, um die Bedeutung der Früherkennung und Prävention des kolorektalen Karzinoms in den Fokus zu rücken.

Darmkrebs ist in Deutschland nach wie vor eine der häufigsten Krebserkrankungen und Krebstodesursachen. Dabei gilt: Wird Darmkrebs früh erkannt, ist er in vielen Fällen heilbar! Der immunologische Stuhltest auf okkultes Blut (iFOBT) ist eine zentrale Maßnahme der gesetzlichen Früherkennung. Doch sein Potenzial wird bei der Früherkennung vom Darmkrebs längst nicht ausgeschöpft.

Neue einheitliche Regelung seit April 2025

Auf Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gilt seit dem 1. April 2025 eine vereinheitlichte und damit einfachere Regelung zur Darmkrebsfrüherkennung: Frauen und Männer können nun ab dem Alter von 50 Jahren dieselben Angebote des Darmkrebs-Screenings wahrnehmen. Sie können alle zwei Jahre einen iFOBT in Anspruch nehmen oder alternativ im Abstand von zehn Jahren eine Koloskopie durchführen lassen. Wer sich zehn Jahre nach der ersten Darmspiegelung gegen eine zweite entscheidet, kann stattdessen weiterhin regelmäßige Stuhltests machen. Bei einem positiven iFOBT-Befund besteht stets Anspruch auf eine Koloskopie zur weiteren Abklärung.

Versorgungslücke von Früherkennung von Darmkrebs

Eine aktuelle Studie von Klimeck et al. (1) beleuchtet die Inanspruchnahme des iFOBT in der Routineversorgung und deckt erhebliche Versorgungslücken auf. Demnach hatten bis zum Alter von 55 Jahren 77,1% der anspruchsberechtigten Männer und 44,5% der anspruchsberechtigten Frauen keinen einzigen iFOBT zur Darmkrebsfrüherkennung in Anspruch genommen. Noch gravierender ist die Lücke bei der regelmäßigen Nutzung: Nur 0,1% der Männer und 1,8% der Frauen führten fünf aufeinanderfolgende Stuhltests durch.

Die insgesamt höheren Nutzungsraten bei Frauen lassen sich zumindest teilweise dadurch erklären, dass Frauen Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge häufig im Rahmen ihrer Routineuntersuchung beim Gynäkologen erhalten. Die Studie unterstreicht somit, dass die aktive Empfehlung durch den behandelnden Arzt ein entscheidender Faktor für die Inanspruchnahme ist.

Weniger Darmkrebsinzidenz bei konsequentem Screening mit dem iFOBT

Studienergebnisse aus den Niederlanden zeigen, welches Potenzial ein strukturiertes, organisiertes Screeningprogramm entfalten kann. Seit der Einführung des nationalen Darmkrebs-Früherkennungsprogramm im Jahr 2015 erhalten alle anspruchsberechtigten Personen alle zwei Jahre ein persönliches Einladungsschreiben mit Informationsmaterial und einem iFOBT-Testkit (international als FIT – Fecal Immunochemical Test – bezeichnet). Bereits das zwischen 2006 und 2014 durchgeführte Pilotprogramm zeigte, dass ca. 70% der eingeladenen Personen mindestens einen Stuhltest anwendeten und gar 50% auf alle Einladungen zu den vier Testrunden reagierten. Mit der flächendeckenden Einführung des organisierten Programms ging die Darmkrebsinzidenz in den Niederlanden in der Folge signifikant zurück (2).

Angesichts der Tatsache, dass kolorektale Karzinome im Frühstadium 5-Jahres-Überlebensraten von über 90% aufweisen, während fortgeschrittene Stadien mit einer deutlich schlechteren Prognose einhergehen, ist jede verhinderte Diagnoseverzögerung klinisch relevant. Ein einfacher Stuhltest kann im Einzelfall lebensrettend sein.

Klimeck L, Heisser T, Hennig B, Graf C, Hoffmeister M, Brenner H: Fecal occult blood tests for colorectal cancer screening in routine medical care: A longitudinal analysis from Germany. Dtsch Arztebl Int 2025; 122: 455–60. DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0102