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Achtung bei Überversorgung: Vitamin B6

Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen ist wichtig, deshalb kann eine gezielte Ergänzung der Nahrung in Phasen eines erhöhten Vitamin-Bedarfs sinnvoll sein.

Durch das vielfältige und uneingeschränkt verfügbare Angebot an diversen Nahrungsergänzungsmitteln tritt heute allerdings ein Problem zu Tage, das natürlicherweise so nicht vorkommt: die Überversorgung

Vitamin B6 ist ein wasserlösliches, licht- und hitzeempfindliches Vitamin, das im Körper in den Formen Pyridoxal, Pyridoxol und Pyridoxamin vorkommt. Die aktive Form ist Pyridoxalphosphat. Als Coenzym ist es als essenzieller Bestandteil an entscheidenden Reaktionen des Aminosäure-Stoffwechsels, der Biogenen Amine, der Häm-Synthese, des Glycogenabbaus und des Homocysteinabbaus beteiligt.

Ein Mangel an Vitamin B6 ist selten, da es in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Beispiele sind Nüsse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Fleisch, Fisch und diverse Gemüse.

Außerdem ist Vitamin B6 eine häufige Beigabe in sehr vielen verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln.

  • für die tägliche Aufnahme werden ca 1,5mg/d empfohlen  (Erwachsene)
  • viele Supplemente enthalten 200-2000% der empfohlenen Tagesdosis je Kapsel
  • in vielen Nicht-Vitamin-Präparaten (Elektrolyt-Mischungen, Präparate mit pflanzlichen Inhaltstoffen) ist zusätzlich Vitamin B6 zugesetzt bzw. enthalten
  • viele hochverarbeitete Lebensmittel werden mit Vitamin B6 angereichert (sog. fortified food), z.B. Säfte, Desserts

Erhöhte Vitamin B6-Werte

Bei der Messung von Vitamin B6 stellen wir als Labor immer häufiger mittel bis stark erhöhte Vitamin B6-Konzentrationen fest.

Die Einnahme von hohen Dosen Vitamin B6 kann zu einer peripheren Neuropathie mit Beeinträchtigung des Lage- und Vibrationsempfindens führen (Interessanterweise sind dies auch die Auswirkungen eines B6-Mangels).

Differenzialdiagnose: Hypophosphatasie (HPP)

Bei einer erhöhten Vitamin B6-Konzentration kommt differenzialdiagnostisch neben einer erhöhten Aufnahme auch eine Hypophosphatasie (HPP) in Betracht. Dabei handelt es sich um eine Mutation im ALPL-Gen, wodurch die Mineralisierung von Knochen und Zahnschmelz gestört wird. Bei der HPP ist die Aktivität der Alkalischen Phosphatase (AP) vermindert und die Pyridoxalphosphat- (Vitamin B6-) Konzentration erhöht (AP  und Vitamin B6  ) .

Die aktuell über 400 bekannten Mutationen führen zu schweren (perinatal tödliche und infantile Formen, sehr selten) über mittelschwere bis zu milden adulten Formen.

Mit Blick auf eine, wenn auch leichte, Mineralisierungsstörung wäre hier an eine mglw. frühzeitige Osteoporose und die Empfehlung einer strikten Kariesprophylaxe zu denken.

Achtung bei Nahrungsergänzung

  • Die Empfehlungen zur täglichen Aufnahme verstehen sich einschließlich der Mengen, die mit Lebensmitteln aufgenommen werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel, die 100% des Tagesbedarfs decken, sind schon mit Vorsicht zu verwenden.
  • Man sollte unbedingt auf die Liste der Inhaltstoffe bei jedem Nahrungsergänzungsmittel achten – auch in Nicht-Vitamin-Präparaten sind häufig einzelne Vitamine zugesetzt!
  • Insgesamt sind die Auswirkungen einer Überversorgung (Hypervitaminose), abgesehen von den fettlöslichen Vitaminen A und E, kaum untersucht – vermutlich weil die z.T. überbordende Supplementation ein relativ junges Phänomen ist.

Hemminger&Wills (2024) Vitamin B6 Toxicity.  StatPearls[internet] via National Library of Medicine, PMID 32119387 Bookshelf ID NBK554500

msdmanuals.com  (Merck&Co., Inc, NJ, USA) Ausgabe für medizinische Fachkreise ->  Überblick über Vitamine  -> Mangel und Intoxikation

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