Niere

Die Nieren sind ganz entscheidende Organe der Entsorgung. Das hindurchfließende Blut wird permanent filtriert (oder ‚gesiebt‘). Im anschließenden Schlauchsystem kann sich der Körper die Stoffe zurückholen, die er noch benötigt. Am Ende dieser komplizierten ‚Magnetarbeiten‘ entsteht der Urin. Er besteht bei einem Gesunden aus Wasser und aus Stoffen, die der Körper loswerden will.

Eine weitere, wichtige Funktion der Nieren ist die Regulation des Blutdrucks.

Außerdem werden in den Nieren zwei Hormone gebildet: Das Epo (Erythropoietin) fördert die Blutbildung im Knochenmark. Das aktive Vitamin-D-Hormon reguliert den Calcium- und Phosphathaushalt.

Niere: Organfunktion

Niere: Der Laborbefund

Um die Nierenfunktion zu überprüfen, gibt es verschiedene Mög­lichkeiten - je nachdem, wo genau ein Problem vermutet wird. 

Das Blut wird untersucht, wenn der Verdacht besteht, dass das Sieb verstopft ist. Die Abfallstoffe, die eigentlich In den Urin ‚gesiebt‘ werden sollen, verbleiben im Blut und werden dort gemessen. Dazu gehören Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure. Der Kreatinin-Wert dient zur Errechnung der sog. GFR (glomeruläre Filtrationsrate), mit diesem Wert wird das Ausmaß der ‚Verstopfung‘ beurteilt. Der Kreatinin-Wert hängt allerdings nicht allein von der Siebleistung, sondern auch von der individuellen Muskelmasse der Person ab. Zur Errechnung der GFR kann daher alternativ auch das Cystatin C bestimmt werden.

Eine wichtige Funktion der Niere ist die Regulation des Elektrolythaushaltes. Zur Beurteilung dieser Funktion werden die Elektrolyte (z.B. Natrium, Kalium, Calcium) im Blut bestimmt.

Unter bestimmten Umständen wird das auch Vitamin-D-Hormon (1,25-Calcitriol) bestimmt, weil der letzte Syntheseschritt dieses Hormons in der Niere stattfindet.

Der Urin wird untersucht, wenn der Verdacht besteht, dass die Löcher im Sieb zu groß sind oder der Magnet nicht richtig funktioniert. Bei defektem Sieb findet man Eiweiße wie Albumin im Urin, die bei intaktem Sieb im Blut bleiben würden. Bei Überlastung des Magneten, z. B. bei Diabetes mellitus, kann Zucker im Urin nachgewiesen werden. Auch die oben erwähnten Elektrolyte werden im Urin bestimmt.

In der Arbeitsmedizin können Schwermetalle im Urin untersucht werden.

Bei einer Blasenentzündung können Bakterien im Urin nachgewiesen werden.

Niere: Laboruntersuchungen (im Blut)

Untersuchung
Albumin
Sinkt bei Eiweißverlust über die Niere (nephrotisches Syndrom) oder Mangel.
Calcium
Stört sich oft bei Nierenerkrankungen; eng mit Vitamin D und PTH verknüpft.
Cystatin C
Empfindlicher Marker für Filterleistung der Niere; unabhängig von Muskelmasse.
eGFR (aus Kreatinin/Cystatin C)
Berechnete „Filterleistung“ der Niere; Basis zur Stadieneinteilung der Nierenfunktion.
Elektrolyte (Natrium, Kalium, Chlorid)
Wichtig für Wasserhaushalt und Herzrhythmus; Niere hält das Gleichgewicht.
Ferritin
Eisenspeicher; hilft, Blutarmut bei chronischer Nierenerkrankung zu beurteilen.
Hb (Hämoglobin)
Roter Blutfarbstoff; sinkt bei EPO-Mangel durch Nierenerkrankungen (Anämie).
HbA1c
Langzeit-Blutzucker; wichtig, da Diabetes häufig Ursache von Nierenschäden ist.
Harnsäure
Steigt bei verminderter Ausscheidung; erhöhtes Risiko für Gicht und Nierensteine.
Harnstoff
Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels; steigt bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Kreatinin
Klassischer Nierenwert; steigt bei schlechter Filterleistung (mit eGFR beurteilen).
Magnesium
Kann bei Nierenschwäche ansteigen; wichtig für Nerven und Muskeln.
Osmolalität (Serum)
Gibt die „Konzentration“ des Blutes an; hilft bei Störungen des Wasserhaushalts.
Parathormon (PTH)
Reguliert Calcium/Phosphat; steigt oft bei chronischer Nierenerkrankung an.
Phosphat
Steigt bei Nierenschwäche; wichtig für Knochenstoffwechsel (mit PTH/Vitamin D).
Transferrinsättigung
Wie viel Eisen am Transportprotein gebunden ist; wichtig bei CKD-Anämie.
Vitamin D (25-OH)
Speicherform; Grundlage für die Beurteilung des Vitamin-D-Status.
Vitamin D (1,25-OH₂)
Aktive Form; kann bei Nierenerkrankung vermindert sein.

Niere: Laboruntersuchungen (im Urin)

Untersuchung
Albumin
Eiweiß im Urin; schon geringe Mengen deuten auf frühen Nierenschaden hin (z. B. bei Diabetes).
α1-Mikroglobulin
Eiweiß, das bei Schädigung der Nierenkanälchen vermehrt ausgeschieden wird.
α2-Makroglobulin
Größeres Eiweiß; deutet auf Undichtigkeit der Filtermembran der Niere hin.
Elektrolyte (Natrium, Kalium, Chlorid)
Zeigen, wie die Niere den Salz- und Wasserhaushalt reguliert.
IgG gesamt
Antikörper im Urin; Hinweis auf schwere Filterstörung (Glomerulopathie).
Mikrobiologische Untersuchungen
Nachweis von Bakterien/Keimen bei Verdacht auf Harnwegsinfekt oder Nierenentzündung.
Glucose
Zucker im Urin; tritt auf, wenn Blutzucker sehr hoch ist oder die Niere Zucker nicht mehr zurückhält.
Harnsäure
Ausscheidung kann bei Gicht oder Nierensteinbildung erhöht sein.
Ketone
Abbauprodukte von Fett; erhöht bei Insulinmangel (z. B. Ketoazidose bei Diabetes).
Leukozyten
Weiße Blutkörperchen im Urin; Hinweis auf Harnwegsinfekt oder Entzündung.
Nitrit
Entsteht durch Bakterien im Urin; typischer Hinweis auf Harnwegsinfekt.
Protein gesamt
Gesamteiweiß im Urin; wichtigster Screening-Parameter für Nierenerkrankungen.
Sediment (Mikroskopie)
Untersuchung auf Zellen, Kristalle oder Zylinder; zeigt Nierenerkrankungen oder Steine.
Achtung

Ein erhöhter oder verminderter Laborwert steht nicht für sich allein. Bedeutung und Relevanz hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie früheren Laborwerten, aktuellen oder chronischen Erkrankungen, körperlichen Beschwerden und der Einnahme von Medikamenten.

Bitte beachten Sie, dass wir als Labor keine individuellen medizinischen Beratungen durchführen. Wenden Sie sich für die Interpretation Ihrer Werte bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Mediziner.