Leberfunktion leicht erklärt

Die Leber wird allgemein als zentrales Stoffwechselorgan bezeichnet. Als solches nimmt die Leber viele verschiedene wichtige Funktionen wahr.

Neben der Produktion (Synthese) von Gallenflüssigkeit, Bluteiweißstoffen und verschiedenen Enzymen, der Speicherung von Vitaminen und der Bereitstellung von Glucose und Ketonkörpern bei Nährstoffmangel gehört auch die Entsorgung von Abfallstoffen wie Alkohol und Medikamente dazu.

Leber: Organfunktion

Leber: Der Laborbefund

Je nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Verdachtsdiagnosen werden unterschiedliche Parameter im Blut bestimmt.

Zur Basisuntersuchung einer Leberschädigung zählen die Enzyme GOT (AST) und GPT (ALT). Diese Enzyme arbeiten normalerweise in den Leberzellen. Wenn vermehrt Leberzellen zugrunde gehen, gelangen diese Enzyme in Blut und werden dort vermehrt nachgewiesen.

Für die Beurteilung der Syntheseleistung werden Stoffe bestimmt, die normalerweise von der Leber hergestellt und dann ans Blut abgegeben werden. Dazu zählen die CHE (ein Enzym) und die Bluteiweiße (Albumin oder Gesamteiweiß). Bei einer Funktionsstörung der Leber können diese dann teilweise vermindert sein.

Auch die Verbindung der Leber zur Gallenblase kann gestört sein, dafür werden die Enzyme GGT und AP sowie eventuell noch das Bilirubin bestimmt.

Etwa 30% aller Lebererkrankungen lassen sich auf eine alkoholbedingte Leberschädigung zurückführen. In den letzten Jahren hat eine weitere Ursache den Alkohol von Platz 1 verdrängt:  die MASLD (metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease, früher NAFLD). Hinter diesem komplizierten Namen verbirgt sich eine zunehmende Funktionsstörung der Leber, die mit einer Verfettung startet und in einer Leberzirrhose enden kann. Ursache ist die vermehrte Zufuhr von Kohlenhydraten und Fetten. Neben einer Funktionseinschränkung der Leber haben diese Störungen des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels teils gravierende Auswirkungen auf den gesamten Körper (Diabetes mellitus Typ II, Metabolisches Syndrom, Adipositas, Bluthochdruck u.v.m.).

Für einen Lipidstatus werden die Triglyceride, Cholesterin (Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin) und eventuell ApoA1 und ApoB gemessen. In einigen Fällen wird noch eine molekulargenetische Bestimmung durchgeführt, die aber nur von einem Arzt angeordnet werden kann.

Für einen Kohlenhydratstatus wird zunächst der aktuelle Blutzucker bestimmt. Bei auffälligen Werten schließt sich ein oraler Glucosetoleranztest an. Besteht der Verdacht auf Diabetes mellitus Typ II, kann der HbA1c bestimmt werden. Dieser Wert gibt Auskunft über die Glucosebelastung in den vorangegangenen 3-4 Monaten. Der HbA1c-Wert wird meist therapiebegleitend erneut bestimmt, um den Erfolg einer Therapie bzw. einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten zu beurteilen. Für die Früherkennung eines sich entwickelnden Diabetes mellitus Typ II kann die Bestimmung von Glucose und Insulin hilfreich sein. Aus den gemessenen Werten lässt sich der sog. HOMA-Index errechnen. Auch die Bestimmung des intakten Proinsulins kann hier sinnvoll sein.

Mehr Informationen zum Metabolischen Syndrom finden Sie hier.

Weitere Informationen zu den Funktionen der Leber finden Sie hier.

Leber: Laboruntersuchungen (im Blut)

Untersuchung
Adiponectin
Hormon aus dem Fettgewebe; niedrigere Werte gehen oft mit Fettleber/Insulinresistenz einher.
Albumin
Wichtigstes Bluteiweiß der Leber; niedrige Werte sprechen für eingeschränkte Leberfunktion oder Mangelernährung.
Alpha-1-Antitrypsin
Mangel kann Leber- und Lungenerkrankungen verursachen; genetischer Test/Serumspiegel.
Ammoniak
Erhöht bei schwerer Leberfunktionsstörung; kann Müdigkeit und Verwirrtheit (Enzephalopathie) verursachen.
AP (Alkalische Phosphatase)
Enzym; erhöht bei Gallenstau (Cholestase) oder Knochenumbau. Zusammen mit GGT beurteilbar.
Bilirubin (gesamt/direkt/indirekt)
Abbauprodukt des Blutfarbstoffs; erhöht bei Leberentzündung oder Gallenstau (Gelbfärbung möglich).
Cholinesterase
Von der Leber gebildetes Enzym; niedrige Werte deuten auf verminderte Leberleistung hin.
Creatinin
Nierenwert; wichtig, weil Leber- und Nierenfunktion bei Erkrankungen zusammen beeinflusst sein können.
Eisenstatus (Ferritin, Transferrinsättigung)
Screening auf Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose); zu viel Eisen schädigt die Leber.
FIB-4-Score
Berechneter Wert (Alter, AST, ALT, Thrombozyten) zur Einschätzung von Leberfibrose/-vernarbung.
Gesamteiweiß (Serumprotein)
Summe der Bluteiweiße; niedrige Werte sprechen für Synthesestörung der Leber oder Eiweißmangel.
GGT (Gamma-Glutamyl-Transferase)
Empfindlicher Leberwert; steigt u. a. bei Alkohol, Medikamenten oder Gallenstau an.
Glucose
Blutzucker; Diabetes und Fettleber hängen eng zusammen und beeinflussen die Lebergesundheit.
GOT (AST, Aspartat-Aminotransferase)
Leberenzym; zusammen mit ALT Hinweis auf Leberzellschaden (z. B. Hepatitis, Fettleber).
GPT (ALT, Alanin-Aminotransferase)
Leberenzym; besonders spezifisch für Leberzellen. Erhöht bei Entzündungen/Schädigungen.
HbA1c
Langzeit-Blutzucker (≈3 Monate); wichtig, da guter Zuckerwert Fettleber vorbeugt/verbessert.
Harnsäure
Erhöht oft bei Stoffwechselstörungen; kann mit Fettleber und Ernährung zusammenhängen.
Homocystein
Aminosäure; erhöhte Werte belasten Gefäße und können bei Mangel an B-Vitaminen steigen.
hsCRP (hochsensitives C-reaktives Protein)
Entzündungsmarker; zeigt stille Entzündungen an, die auch die Leber betreffen können.
INR (International Normalized Ratio)
Standardisierte Gerinnung; steigt bei Leberinsuffizienz. Ergänzt/ersetzt den Quick-Wert.
Kupfer / Coeruloplasmin
Bei Verdacht auf Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit); wichtig besonders bei Jüngeren.
LDH (Laktatdehydrogenase)
Unspezifisches Enzym; steigt bei Zellschäden, u. a. auch bei Leber- und Gallenwegserkrankungen.
Lipidstatus
Blutfette (LDL/HDL/Triglyzeride); gestört bei Fettleber und relevant fürs Herz-Kreislauf-Risiko.
Lipoprotein(a)
Genetischer Fettwert; hat keinen Tages-Einfluss, erhöht das Herz-/Gefäßrisiko unabhängig vom LDL.
Proinsulin, intaktes
Frühmarker für Insulin-Überproduktion/-resistenz; relevant bei Fettleber und Prädiabetes.
Quick-Wert (Prothrombinzeit)
Blutgerinnung; sinkt bei Leberfunktionsstörung (Gerinnungsfaktoren werden in der Leber gebildet).
Achtung

Ein erhöhter oder verminderter Laborwert steht nicht für sich allein. Bedeutung und Relevanz hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie früheren Laborwerten, aktuellen oder chronischen Erkrankungen, körperlichen Beschwerden und der Einnahme von Medikamenten.

Bitte beachten Sie, dass wir als Labor keine individuellen medizinischen Beratungen durchführen. Wenden Sie sich für die Interpretation Ihrer Werte bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Mediziner.