Hightech-Tetris in 3D, oder: Moderne Logistik für die labormedizinische Versorgung
In Geesthacht bei Hamburg, nahe der Elbe, steht eine neue Lagerhalle. Von außen wenig spektakulär – aber was sich drinnen abspielt, veranlasst Besucher zu freudig staunenden Blicken: Das Herzstück des Gebäudes mit seiner Grundfläche von 2.772 Quadratmetern bildet eine KI- und robotergestützte Lagerautomatisation.
Neun ein bisschen an überdimensionale Lego-Technik erinnernde Roboter flitzen in luftiger Höhe über eine mehrere Meter hohe Stahlgitterkonstruktion. Sie sortieren Kisten ein oder holen sie gerade heraus. Was anmutet wie eine Art Hightech-Tetris in 3D, dient einzig der Patientenversorgung.
So arbeitet unser automatisiertes Lager für Sie
Wir setzen auf modernste Autostore-Technologie für maximales Tempo. Diese schematische Darstellung visualisiert das Funktionsprinzip unserer Logistik: Sehen Sie, wie unsere Roboterflotte im Hintergrund effizient zusammenarbeitet, um Bestellungen rund um die Uhr vorzubereiten.
Schneller als Worte: Der AutoStore™ im Video
Von 0 auf Versandfertig in Rekordzeit. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen unserer High-Speed-Logistik.
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Laborlogistik: Das Rückgrat der modernen Diagnostik
Etwa zwei Drittel aller medizinischen Diagnosen basieren auf Laboruntersuchungen. Davon erfolgt nur ein kleiner Teil direkt in den ambulanten Arztpraxen oder im Krankenhauslabor. Das Gros der Analysen nehmen speziell ausgebildete Mitarbeitende in Laborgemeinschaften und Facharztlaboren vor.
Somit kommt auch der Logistik rund um die labormedizinische Versorgung eine besondere Bedeutung zu: Zum einen müssen die in den Praxen von Patienten genommenen Proben zeitnah und fachgerecht ins Labor gebracht werden. Zum anderen benötigen Ärzte und Praxismitarbeitende vor Ort das sogenannte Entnahme- und Versandmaterial, zum Beispiel Röhrchen für Blutentnahmen oder Tupfer für Abstriche.
Wachstum erfordert Raum: Der Weg zu AutoStore™
Die eingangs beschriebene Lagerhalle gehört zu Intermed, dem auf die Logistik von Laborproben sowie auf die Belieferung mit Entnahme- und Versandmaterial, Praxis- und Krankenhausbedarf und Medizintechnik spezialisierten Partnerunternehmen der LADR Laborzentren.
Intermed bringt jährlich zum Beispiel Blutentnahmeröhrchen in zweistelliger Millionenstückzahl zu Arztpraxen und Krankenhäusern in weiten Teilen Deutschlands, die mit den medizinischen Laboren im LADR Laborverbund zusammenarbeiten. Nicht nur die Zahl der Bestellungen, sondern auch die Menge der vorgehaltenen unterschiedlichen Artikel steigt kontinuierlich.
Wir haben schlicht mehr Platz benötigt.
Ein „chaotisches Lagersystem“ – 14.000 „Bins“ auf 16 Ebenen
AutoStoreTM wurde im Januar 2025 in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von nur 331 Quadratmetern sind auf 16 Ebenen insgesamt 14.000 Kisten als Lagerfläche gestapelt – in einem „chaotischen Lagersystem“, betont Lagerleiter Mario Rieger. Das bedeutet, die KI entscheidet, welche Artikel wo abgelegt werden. Dabei kommen auch unterschiedliche Artikel in denselben „Bin“, wie die Behälter genannt werden.
In welchem Bin sich welche Ware befindet, weiß nur die KI. Das vermeintliche Chaos erhöht aber die Effektivität deutlich.
Die Zeit, um einen Auftrag zu kommissionieren, also um die verschiedenen Artikel einer Bestellung aus dem Lager zu holen und für den Versand zusammenzustellen, kann so um die Hälfte reduziert werden.
Von 140 auf 90 Sekunden: Ein Quantensprung in der Effizienz
Durchschnittlich dauert der Vorgang nun nur noch 90 statt 140 Sekunden. „Spätestens nach drei Minuten hat einer der Roboter den benötigten Artikel aus dem AutoStoreTM geholt“, sagt Mario Rieger. Das Entnahme- und Versandmaterial für Laborproben etwa kann dadurch noch schneller an die Arztpraxen und Kliniken geliefert werden.
Ziel ist es, etwa 80 Prozent der im Gesamtlager der Intermed befindlichen Artikel über AutoStore™ zu organisieren.
Das Entnahme- und Versandmaterial wird bereits vollständig über die neue Technik bearbeitet. Manche Artikel können oder sollen auf herkömmliche Weise auf den Weg gebracht werden. „Das sind zum Beispiel sperrige Artikel, die nicht in einen der AutoStoreTM-Bins passen“, erklärt Kirchner. Oder sogenannte Schnelldreher, Ware also, die so gefragt ist, dass es wenig sinnvoll ist, sie nach der Anlieferung bei Intermed erst im AutoStoreTM zu lagern, um sie dann möglicherweise wenige Minuten später wieder anzufordern.
Rund 40 Mitarbeitende zählt das Zentrallager der Intermed in Geesthacht. Die neue Halle mit dem KI-gestützten AutoStoreTM ist ein wesentlicher Beitrag, um den Standort und damit auch die Arbeitsplätze auf Jahre hinaus zu sichern. Auf der anderen Seite ist es zunehmend herausfordernd, zusätzliche Mitarbeitende zu finden. Das Lager ist auf 50 Prozent Wachstum angelegt, und zahlreiche medizinische Labore mit ihren Einsendern können als Kunden bedient werden.
Nachhaltigkeit im Kreislauf: 2.400 Boxen ersetzen Kartons
Den Großteil dieser Waren befördern jene Fahrzeuge der Intermed, die täglich in weiten Teilen Deutschlands unterwegs sind, um Proben aus den Praxen abzuholen. Rund 90 Prozent der Artikel werden in Mehrwegbehältern geliefert.
Rund 2.400 solcher Boxen hat Intermed im Umlauf. Das spart Kartonage und entlastet die Umwelt. Die Akzeptanz bei den Kunden sei entsprechend groß.
Die Zahl der Pakete, die das Lager verlassen, schwankt jahreszeitlich bedingt zwischen täglich 2.500 und 3.000. Wird bis spätestens 15:00 Uhr bestellt, erfolgt die Lieferung am Folgetag.
Foto: Timo Jahn
Wir fahren täglich mehr als 20.000 Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken an.
Just in time, sodass der medizinische Prozess optimal ablaufen kann. Aufwendige Logistik – für die Versorgung von Patientinnen und Patienten.