Mauer S et al. Standard and trace-dose lithium: a systematic review of dementia prevention and other behavioral benefits. Aust N Z J Psychiatry 2018. doi: 10.1177/0004867414536932.

Lithium als Spurenelement im Blut - Wichtiger Unterschied zum Therapeutischen Drug Monitoring

Lithium (Li) ist ein Alkalimetall, das in der klinischen Medizin als Stimmungsstabilisator bei bipolaren affektiven Störungen sowie ergänzend bei Depressionen eingesetzt wird. Aufgrund der engen therapeutischen Breite ist ein regelmäßiges Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) des Lithiumspiegels im Serum zwingend erforderlich. Zunehmend wird Lithium auch als potenziell essenzielles Spurenelement diskutiert, das physiologische Prozesse im zentralen Nervensystem beeinflussen könnte. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach einer Bestimmung von Lithium als Spurenelement im Blut. Wichtig: Für die Bestimmung von Lithium als Spurenelement ist EDTA-Blut erforderlich, nicht Serum.

Epidemiologische Studien zeigen, dass Regionen mit höheren Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser eine geringere Inzidenz von Demenzerkrankungen sowie niedrigere Suizid- und Mortalitätsraten aufweisen. Einige Studien berichten zudem über Daten, die auf eine Abschwächung des kognitiven Abbaus bei höherer Lithiumexposition hindeuten (1). Daher wird Lithium zunehmend als mögliches Mittel zur Demenzprävention diskutiert. 

Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch heterogen und derzeit noch wenig aussagekräftig. Ein kausaler Zusammenhang ist nicht klar belegt, und es gibt keine klinische Leitlinie, die aktuell eine gezielte Lithium-Supplementierung zur Demenzprävention empfiehlt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stuft Lithium aktuell nicht als essenzielles Spurenelement oder Mikronährstoff ein. Entsprechend existieren keine offiziellen Empfehlungen für eine tägliche Aufnahme.

Gefahr von Überversorgung

Bei der Beurteilung potenzieller Risiken ist zwischen pharmazeutischen Lithiumdosen (zweistelliger mg-Bereich) und ernährungsphysiologischen Spurenmengen streng zu unterscheiden.

Aufgrund der engen therapeutischen Breite besteht bei medikamentöser Anwendung von Lithium ein erhebliches Toxizitätsrisiko. Da Lithium zu über 95% unverändert renal eliminiert wird, können eine eingeschränkte Nierenfunktion, Dehydration oder Hyponatriämie (z.B. durch Diuretika, Diarrhö, Fieber) die Serumkonzentration gefährlich ansteigen lassen. Etwa 70% der chronischen Lithiumintoxikationen sind auf eine reduzierte renale Clearance zurückzuführen.

Für Spurenmengen aus Nahrung, Trinkwasser oder niedrig dosierter Supplementation (1-5 mg pro Kapsel) ist bislang keine Toxizität dokumentiert. Gleichwohl ist auch bei Supplementierung Vorsicht geboten. Das gilt insbesondere bei älteren Patienten, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei Schwangeren und Stillenden. Aufgrund der unzureichenden Langzeitdaten sollte Lithium oder Lithiumorotat nicht eigenmächtig eingenommen werden.

Bestimmung von Lithium als Spurenelement mittels hochsensitiver ICP-MS

Die Messung des physiologischen Lithiumspiegels im Blut stellt besondere Anforderungen an die analytische Methode. Da die physiologische Lithiumkonzentration um den Faktor 500 bis 2.000 geringer ist als der Lithiumspiegel bei therapeutischer Gabe, ist das für das TDM gängig eingesetzte photometrische Verfahren aufgrund seiner deutlich zu geringen Sensitivität für die Bestimmung des physiologischen Lithiumspiegels ungeeignet. 

Zur Bestimmung von Lithium als Spurenelement ist eine hochsensitive ICP-MS-Analyse (Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry) erforderlich. Diese Massenspektrometrie-Methode ermöglicht die präzise Quantifizierung von Spurenelementen im Bereich unter µg/l und wird aus EDTA-Vollblut durchgeführt (Tab. 1).

ParameterProbenmaterialMethodeReferenzbereich
Lithium als SpurenelementEDTA-BlutICP-MS (hochsensitiv)µg/l
Lithium in Therapeutischen Drug Monitoring (TDM)SerumPhotometriemg/l

Tab. 1: Präanalytik zur Bestimmung von Lithium

Präanalytik: EDTA-Blut vs. Serum - kritische Unterschiede

Für die Lithiumdiagnostik sind eine korrekte Probenvorbereitung und eine eindeutige Anforderung von entscheidender Bedeutung. Eine Verwechslung der Probenmaterialien führt zu nicht verwertbaren Ergebnissen. Für die Spurenelement-Bestimmung sind Serum und Lithium-Heparinblut nicht verwendbar, da das Trenngel in Serumröhrchen eine geringe Menge Lithium enthalten kann. Diese kann bei der hochsensitiven Messung mit ICP-MS zu falsch hohen Werten führen. Lithium-Heparinblut ist ebenfalls ungeeignet, da das enthaltene Lithium das Messergebnis massiv verfälschen kann. 

Die Anforderung muss explizit als „Lithium als Spurenelement“ oder „Lithium im EDTA-Blut“ angegeben werden, um eine fehlerhafte bzw. ungewollte Zuweisung zur TDM-Analytik zu vermeiden.

Abrechnungen

ParameterMaterialEBMGOÄ
Ziffern€Ziffern€ (1,15- fach)
Lithium als SpurenelementEDTA-Blut3231443,00 €421060,33 €
Lithium in TDMSerum320870,58 €42144,02 €
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