Bundesministerium für Gesundheit. Substanzgebrauch während der Schwangerschaft und seine Folgen für Mutter und Kind – Fokus Cannabis (Pilotprojekt CaSCH-T1): Abschlussbericht. Berlin; 2019.
Der Konsum von Substanzen während der Schwangerschaft stellt eine erhebliche Gefährdung für die fetale Entwicklung dar.
Opioide,
Kokain,
Cannabis
und Alkohol
können die Plazentaschranke passieren und direkt auf den Fötus einwirken. Mögliche Folgen reichen von Wachstumsretardierung und Frühgeburtlichkeit über das neonatale Abstinenzsyndrom (NAS) bis hin zu langfristigen neurologischen Entwicklungsstörungen.
Das Mekonium, der erste Stuhl des Neugeborenen, akkumuliert Substanzen sowie deren Metaboliten über einen längeren Zeitraum. Die Mekoniumanalyse ermöglicht ein Detektionsfenster rückwirkend nach der Geburt bis zur etwa 20. SSW.
Somit ist eine retrospektive Beurteilung der pränatalen Substanzexposition bis zur Geburt möglich, die mit den von der Mutter angegebenem Konsum verglichen werden kann.
Schätzungsweise sind etwa 50.000 – 60.000 Kinder in Deutschland von der Drogenproblematik ihrer Eltern betroffen,
wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte.
Dr. rer. hum. biol. Lars Wilhelm
Fachingenieur für Toxikologie
Abteilungsleiter Toxikologie
Studienergebnisse (Selbstauskunft)
In Studien zum Substanzgebrauch während der Schwangerschaft und seinen Folgen für Mutter und Kind wurde berichtet,
dass 31,3% der teilnehmenden Frauen nach eigenen Angaben Alkohol konsumiert haben.
Weitere Substanzen wurden ebenfalls angegeben:
Alkohol31,3%
Cannabis22,1%
Opiate2,1%
Amphetamine1,5%
Benzodiazepine1,0%
(1) Quelle: Bundesministerium für Gesundheit. Substanzgebrauch während der Schwangerschaft und seine Folgen für Mutter und Kind – Fokus Cannabis (Pilotprojekt CaSCH-T1): Abschlussbericht. Berlin; 2019.
Wenn ein Neugeborenes ungeklärt zittrig, unruhig, schweißig, krampfend oder sediert erscheint, kann eine gezielte Befragung der Eltern erfolgen.
Ein Drogenscreening im Mekonium sollte bei folgenden medizinischen Indikationen in Betracht gezogen werden:
Zeichen eines neonatalen Abstinenzsyndroms (Tremor, Hyperreflexie, Krampfanfälle, schrilles Schreien)
Intrauterine Wachstumsretardierung ohne erkennbare Ursache
Heroin, Morphin, Codein, Oxycodon, Methadon und Buprenorphin sind im Mekonium gut nachweisbar. Die Akkumulation erfolgt primär im zweiten und dritten Trimenon. Selbst einmaliger Konsum kann bei ausreichender zeitlicher Distanz zur Geburt detektiert werden.
Kokain
Kokain und sein Hauptmetabolit Benzoylecgonin reichern sich effektiv im Mekonium an. Der Nachweis korreliert mit dem Konsumumfang während der Schwangerschaft und ermöglicht eine Abschätzung der fetalen Exposition.
Cannabis
Tetrahydrocannabinol (THC) und seine Metaboliten, insbesondere 11-Nor-9-Carboxy-THC, können im Mekonium nachgewiesen werden.
Alkohol
Der direkte Nachweis von Ethanol im Mekonium ist aufgrund der kurzen Halbwertszeit limitiert. Stattdessen kann die Bestimmung des direkten Alkoholkonsummarkers Ethynglucuronid (EtG) einen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD ) geben.
Bei positivem Nachweis mehrerer Substanzklassen sollte eine Einschätzung bezüglich Polypharmazie und Mischkonsum erfolgen. Dies ist von erheblicher Bedeutung für die neonatologische Betreuung und die Abschätzung des Risikos für ein neonatales Abstinenzsyndrom. Eine besondere Herausforderung besteht in der Differenzierung zwischen therapeutischer Medikation und Substanzmissbrauch dar, insbesondere bei Opioiden und Benzodiazepinen.
Die hochspezifische Massenspektrometrie-Methode (LC-HRMS und LC-MS/MS) ermöglicht die eindeutige Identifikation der nachgewiesenen Substanzen. Es können jedoch keine verlässlichen Aussagen bezüglich des Eintretens, des Schweregrads oder der Dauer des kindlichen Entzugs getroffen werden.
Probennahme und Versand
Die Mekoniumsammlung sollte innerhalb der ersten 24-48 Lebensstunden erfolgen, idealerweise vor Beginn der Ernährung mit Muttermilch. Es wird mindestens 1 g Mekonium benötigt. Da die Wirkstoffe nicht homogen in der Probe verteilt sind, sollte das vollständige Material ins Labor eingesendet werden.
Schutz statt Stigmatisierung
Die Untersuchung von Mekonium auf Drogen- und Alkoholmarker dient nicht der Stigmatisierung oder Schuldzuweisung gegenüber betroffenen Schwangeren, sondern ausschließlich dem Schutz und dem Wohl des Kindes. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das Kind von Substanzexposition betroffen war und welche medizinischen Maßnahmen zum Schutz des Neugeborenen erforderlich sind.
Idealerweise sollte eine mögliche Substanzproblematik bereits während der Schwangerschaft erkannt und begleitet werden. Während der Schwangerschaft stehen Urin- oder Blutuntersuchungen der Schwangeren zur Verfügung, die eine zeitnahe Erfassung des aktuellen Substanzkonsums ermöglichen. Diese Untersuchungen können im Rahmen der regulären Schwangerschaftsvorsorge durchgeführt werden.
LADR Fachbereich Toxikologie
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