Hypogonadismus Störungen der endokrinen Hodenfunktion

Definition des Hypogonadismus

Unter Hypogonadismus beim Mann wird im Allgemeinen die Unterfunktion der Hoden verstanden. Leitsymptome des Hypogonadismus beim Mann sind Androgenmangel und/oder Infertilität.

Eine Unterteilung des Hypogonadismus kann nach der Höhe der Sekretion der Gonadotropine LH und FSH getroffen werden (s. Abbildung). Der hypergonadotrope Hypogonadismus (Synonym primärer Hypogonadismus) hat seine Ursache in einer primären endokrinen und/oder exokrinen Insuffizienz des Hodens mit konsekutiv gesteigerter LH- und FSH-Sekretion. Störungen im hypothalamisch-hypophysären Regelkreis führen zu einem hypogonadotropen Hypogonadismus (Synonym sekundär Hypogonadismus) mit sekundärem endokrinen und/oder exokrinen Funktionsausfalls der Hoden als Folge der verminderten Gonadotropinsekretion.

Eine weitere Unterteilung des hypogonadotropen Hypogonadismus kann nach dem Zeitpunkt des Eintretens des Hypogonadismus (präpubertär/postpubertär) getroffen werden. Eine Sonderform des Hypogonadismus stellt der Altershypogonadismus dar, welcher im Allgemeinen eine Mischung aus primären und sekundären Hypogonadismus darstellt.

Ursachen für einen Hypogonadismus

 

Symptomatik und Diagnostik des Hypogonadismus

Die Symptomatik eines Hypogonadismus kann in Abhängigkeit von den Androgenspiegeln, dem Zeitpunkt des Eintretens (präpubertär / postpubertär) und der Dauer des Hypogonadismus stark variieren. Viele der Symptome (s. Abbildung 1) sind unspezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten und sollten von Ärztinnen/ Ärzten mit Erfahrung bzgl. eines Hypogonadismus beim Mann beurteilt werden.

Abb. 1 Charakteristische Symptome und klinische Zeichen für einen Hypogonadismus (in rot dargestellt sind Symptome welche nur bei einem bereits präpubertär existenten Hypogonadismus auftreten)

Eine besondere Form des Hypogonadismus stellt der Altershypogonadismus dar, dessen Prävalenz mit zunehmendem Lebensalter dtl. zunimmt (s. Abb. 2). Ist bis zum 40. Lebensjahr die Bestimmung des Gesamttestosterons im Allgemeinen ausreichend für den Nachweis eines Androgenmangels gewinnt nach dem vierzigsten Lebensjahr die Bestimmung des freien Testosterons zunehmend an Bedeutung (s. Abb. 3). Es empfiehlt sich daher insbesondere bei Männern jenseits des vierzigsten Lebensjahr die zusätzliche Bestimmung von SHBG um das freie Testosteron bestimmen zu können (Berechnung z.B.

Abb. 2 Baltimore Longitudinal aging study: Prävalenz des Hypogonadismus
(Gesamt T < 11.3 nmol/L und/oder freier-T Index < 0.153) bei normalen Männern

Diagnostik des Hypogonadismus

Für die Diagnose eines Hypogonadismus/ Androgenmangels ist stets die Kombination aus klinischen Symptomen (s.o.) und laborchemischen Androgenmangel zu fordern. Für die Labordiagnostik des Androgenmangels bei Männern mit klinischen Symptomen eines Hypogonadismus/ Androgenmangels hat sich ein Vorgehen in Anlehnung an ein Flowchart der Amerikanischen Gesellschaft für Endokrinologie (s. Abb. 3) bewährt.

Abb. 3 Flowchart der laboriagnostischen Untersuchungen bei Männern mit einen V.a. einen Androgenmangel

Testosteron interagiert umfangreich mit einer Reihe von Hormonen (z.B. EPO) und Stoffwechselfunktionen (V.a. Glukosestoffwechsel, Fettstoffwechsel, Knochenstoffwechsel und Lebermetabolismus). Sollte sich laborchemisch ein Androgenmangel bestätigt haben bzw. der dringende V.a. einen Androgenmangel bestehen, empfiehlt sich zusätzlich zu o.g. laborchemischen Untersuchungen eine orientierende Untersuchung der Hämatopoese (Kleines Blutbild), des HbA1c, der Lipide (Triglyceride, HDL, LDL, Gesamtcholesterin), der alkalischen Phosphatase (ggfs. auch Bestimmung der Knochendichte) und der Lebertransaminasen (yGT, GOT, GPT) sowie Bestimmung des Bauchumfanges.

Therapie des Hypogonadismus

​In Fällen in denen zurzeit kein aktueller Kinderwunsch besteht (hier ist eine Testosterontherapie kontraindiziert) stehen inzwischen in Deutschland für die Therapie eines Androgenmangels eine Reihe wirksamer Präparate zur Verfügung. Hohe Markanteile haben insbesondere ein langwirksames intramuskulär zu applizierendes, ca. 3 Monate wirksames Testosteronpräparat (Nebido®) sowie diverse Testosterongele erreicht.

Die Einleitung einer Testosterontherapie sollte nur bei Männern erfolgen bei denen sich sowohl laborchemisch als auch in der klinischen Untersuchung eine Androgenmangel bestätigen lässt. Zusätzlich ist vor Beginn einer Testosterontherapie ein aktuelles (ehemaliges) Prostatakarzinom, ein PSA > 3 ng/ml, ein Mammakarzinom und das Bestehen einer Polyglobulie mit einem Hämatokrit von über 50% auszuschließen.

Ziele der Testosterontherapie sind die Normalisierung der Testosteronspiegel in den niedrig normalen Bereich vor der nächsten Androgenapplikation und eine Normalisierung des meist gesenkten Hämatokrits in den normalen Bereich und ein altersgemäßes Wachstum der Prostata.  

Abb. Richtlinien für das Monitoring einer Testosteron Therapie

Nach Einleitung einer Testosterontherapie ist diese gemäß allen existierenden Empfehlungen regelmäßig zu überprüfen (s. Abb.) wobei über das Kontrollintervall keine internationale Einigkeit besteht. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Kontrolluntersuchungen ist ggfs. insbesondere bei älteren Patienten ein Stopp oder eine Dosismodifikation der Testosterontherapie anzuraten, falls bestimmte Grenzwerte in der laborchemischen Untersuchung bzw. in der klinischen Untersuchung überschritten werden (s. rote Unterlegungen in der nebenstehenden Abbildung).

Relevante internationale und nationale Empfehlungen/ Leitlinien/Literaturverweise

  • Bhasin et al., Testosterone therapy in adult men with androgen deficiency syndromes: An endocrine society clinical practice guideline.  J Clin Endocrinol Metab. 91: 1995-2010; 2006
  • Practice Committee of American Society for Reproductive Medicine in collaboration with Society for Male Reproduction and Urology, Androgen deficiency in the aging male. Fertil. Steril 90: S83-87, 2008
  • The Institute for Clinical System Improvement (ICSI)