Therapie der männlichen Infertilität

​Die Therapie der männlichen Infertilität lässt sich in drei große Bereiche unterteilen. Zu nennen wären erstens die Patienten bei denen keine Therapie notwendig ist (z.B. bei Normozoospermie). Zum zweiten zu nennen wären die sehr seltenen Patienten bei denen auch nach Durchführung einer diagnostisch-therapeutischen Hodenbiopsie keine Spermien gefunden werden konnten, so dass therapeutisch nur eine Behandlung mit Spendersamen oder eine Adoption in Frage kommt. Bei der überwiegenden Anzahl der Patienten liegen aber therapierbare Fertilitätsstörungen vor, die einer oder mehrerer der folgenden Therapieoptionen zugeordnet werden können.

Rationale Therapie

 

Bei Patienten mit einer fehlenden Sekretion des GnRH und/oder der Hypophysenhormone LH und FSH (Gonadotropine) kann durch eine hormonelle Stimulationstherapie mit GnRH (5 -20 ug/alle 120 Minuten) oder der Kombination von FSH (bzw. hMG (150 IU/ 3* wöchentlich) mit hCG (1000 bis 2000 IE/2 * wöchentlich) in der weit überwiegenden Zahl der Fälle eine Spermienbildung und Schwangerschaft erfolgreich induziert werden (s Abbildung 1). 
 

Abb. 1 Effektivität der GnRH bzw. hCG/hMG Therapie bei sekundären Hypogonadismus  (Büchter et al., Europ. J.Endocrinol. 139: 298–303, 1998) 

Weitere rationale Therapieoptionen der männlichen Infertilität beinhalten die antibiotische Therapie von symptomatischen Infektionen des Urogenitaltraktes (ggfs. nach Resistogramm), die medikamentöse, operative oder psychotherapeutische Therapie der Störungen der Samendeposition. Des Weiteren kann nach heutigem Kenntnistand die medikamentöse oder operative Behandlung des Hodenhochstandes im Kleinkindalter zu den rationalen (in diesem Fall präventiven) Behandlungsoptionen der männlichen Infertilität gerechnet werden.

Empirische Therapie

 

Abb. 2 Schwangerschafts Odds Ratios der kontrollierten randomisierten Studien zur Behandlung der männlichen Infertilität (Update von Kamischke & Nieschlag. Hum. Reprod. 14 (Suppl. 1): 1, 1999 )

Abgesehen von o.g. Therapieoptionen mit eng umrissenen Indikationen gibt es in Deutschland aktuell keine zugelassenen Medikamente zur Behandlung der männlichen Infertilität. Nichts desto trotz sind insbesondere in der Vergangen- heit eine Vielzahl von Medikamenten und Verfahren zur Behandlung der männlichen Infertilität eingesetzt worden. Hierzu zählen insbesondere Testosteronpräparate, FSH, Kalikrein, Antiöstrogene und diverse Vitamin-präparate und andere Nahrungsergänzungsmittel. In kontrollierten, randomisierten Studien zeigten die meisten dieser Substanzen jedoch keine Wirksamkeit (s. Abbildung 2).

Basierend auf den Ergebnissen einer kompletten andrologischen Untersuchung inklusive Hormonanalysen und Spermiogrammanalyse erscheint aber in ausgesuchten Fällen eine Therapie mit Antiöstrogenen oder Vitaminen bei einigen Patienten im Rahmen eines individuellen Heilversuches durchaus erfolgversprechend. 

Die meist linksseitige Varikozele (Krampfader im Hodensack) stellt das häufigste pathologische Ergebnis während der genitalen Untersuchung dar. Neben o.g. diversen .medikamentösen Behandlungen wurde in der Vergangenheit daher auch die operative Behandlung oder Embolisation der Varikozele bei Kinderwunschpatienten propagiert. Auch hier fehlt jedoch der zweifelsfreie Nachweis der Wirksamkeit in kontrollierten Studien so dass auch diese Therapie insgesamt mit Zurückhaltung zu sehen ist (s. Abbildung 3). 

Abb. 3 Schwangerschafts Odds Ratios der kontrollierten randomisierten Studien zur Effektivität  der Varikozelenbehandlung (Update Kamischke & Nieschlag. Hum. Reprod. Update 7: 65, 200

Optimierung weiblicher reproduktiver Funktionen

Insbesondere aufgrund des überwiegenden Scheiterns der medikamentösen andrologischen Therapien zur  Behandlung der männlichen Subfertilität kommt der Optimierung der weiblichen reproduktiven Funktionen eine entscheidende Bedeutung im Rahmen der gemeinsamen Paarinfertilität zu. Hierzu zählt zum einen der gezielte Geschlechtsverkehr mit und ohne Ovulationsauslösung. Zum anderen zählt hierzu aber insbesondere die milde hormonelle Stimulation der Eizellbildung mittels Clomiphen oder FSH-Präparaten mit dem Ziel einer Stabilisierung des Zykluses bzw. gezielten Polyovulation von zwei bis drei Eizellen. Bzgl. weiterer Details dieser Therapien verweisen wir auf die Homepage unseres Kinderwunschzentrums (s. Link in der rechten Spalte).

Verfahren der assistierten Reproduktion

Zur Überwindung insbesondere der schweren Formen der männlichen Infertilität existieren eine Reihe von Verfahren der assistieren Reproduktion welche von Inseminationen des aufbereiteten Spermas des Patienten in die Gebärmutter der Partnerin bis hin zu einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) reichen. Bzgl. weiterer Details dieser Therapien verweisen wir auf die Homepage unseres Kinderwunschzentrums (s. Link in der rechten Spalte).